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Cannabis, Herz und Blutdruck: Was THC mit Puls und Kreislauf macht
THC beschleunigt den Puls und kann den Blutdruck beim Aufstehen absacken lassen. Große Beobachtungsstudien verbinden regelmäßigen Konsum mit mehr Herzinfarkten und Schlaganfällen. Was die Studienlage zeigt, auch zu medizinischem Cannabis, und wer besonders vorsichtig sein muss.
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Inhalt dieses Artikels
- Was macht THC mit Puls und Blutdruck?
- Erhöht Cannabis das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall?
- Was zeigen Studien zu medizinischem Cannabis und dem Herzen?
- Senkt Cannabis den Blutdruck?
- Wer muss bei Cannabis besonders auf das Herz achten?
- Warum eine schwere Herzerkrankung bei 420doc ein Ausschlussgrund ist
- Spielt es eine Rolle, ob Cannabis geraucht, verdampft oder gegessen wird?
- Warnzeichen: Wann du sofort die 112 rufen musst
- Häufige Fragen
Herzklopfen nach dem ersten Zug kennen viele. Dahinter steckt eine direkte Wirkung von THC auf Herz und Gefäße. Für gesunde junge Menschen ist das meist harmlos und lässt nach. Für Menschen mit Herzerkrankungen kann genau diese Mehrbelastung zum Problem werden.
Dieser Artikel fasst zusammen, was THC mit Puls und Blutdruck macht, was große Studien zu Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzrhythmusstörungen zeigen und welche Warnzeichen sofort ärztliche Hilfe brauchen.
Was macht THC mit Puls und Blutdruck?
THC wirkt über den CB1-Rezeptor, der nicht nur im Gehirn, sondern auch im Herz-Kreislauf-System vorkommt. Eine Übersichtsarbeit in Nature Reviews Cardiology (2018) beschreibt, dass THC seine unerwünschten Herz-Kreislauf-Wirkungen über diesen Rezeptor entfaltet. Mehr zum Hintergrund im Lexikon unter Endocannabinoid-System.
Typisch sind laut einer Studie in Circulation (2001) ein dosisabhängig schnellerer Puls, ein eher höherer Blutdruck im Liegen und ein Absacken des Blutdrucks beim Aufstehen. Letzteres kann Schwindel, Schwarzwerden vor Augen oder Stürze auslösen, besonders bei älteren Menschen.
Schon die pharmakologische Standardübersicht von Grotenhermen (2003) nennt einen schnelleren Puls und Veränderungen des Blutdrucks als wichtigste körperliche Folgen einer zu hohen THC-Menge. Was THC sonst im Körper macht, erklärt der Artikel Was ist THC?.
Erhöht Cannabis das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall?
Mehrere große Studien sprechen dafür, dass das Risiko steigt, vor allem bei häufigem Konsum. Es handelt sich aber fast immer um Beobachtungsstudien. Sie zeigen Zusammenhänge, beweisen aber nicht sicher, dass Cannabis die Ursache ist.
- Auslöser: In einer US-Studie mit 3.882 Menschen nach Herzinfarkt war das Risiko für den Beginn eines Herzinfarkts in der Stunde nach dem Rauchen von Cannabis 4,8-fach erhöht und sank danach rasch wieder (Mittleman 2001). Absolut ist das ein seltener Auslöser.
- Bevölkerung: In einer US-Befragung mit 434.104 Erwachsenen war täglicher Konsum mit 25 Prozent höheren Chancen für einen Herzinfarkt und 42 Prozent für einen Schlaganfall verbunden, nach Berücksichtigung des Tabakrauchens (Jeffers 2024). Bei Menschen, die nie Tabak geraucht hatten, war der Zusammenhang ähnlich oder stärker.
- Zusammenfassung: Eine Metaanalyse von 24 Studien fand für Cannabiskonsum ein relatives Risiko von 1,29 für akute Koronarsyndrome, 1,20 für Schlaganfall und 2,10 für Tod durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Storck 2025).
Was zeigen Studien zu medizinischem Cannabis und dem Herzen?
Die meisten Daten stammen aus dem Freizeitkonsum, oft geraucht und ohne ärztliche Begleitung. Eine der wenigen großen Studien zu ärztlich verordnetem Cannabis kommt aus Dänemark (Holt 2024, European Heart Journal). Verglichen wurden 5.391 Menschen mit chronischen Schmerzen, die erstmals medizinisches Cannabis erhielten, mit 26.941 vergleichbaren Menschen ohne Cannabis.
In den ersten 180 Tagen trat bei 0,8 Prozent der Behandelten erstmals eine Herzrhythmusstörung auf, etwa Vorhofflimmern, in der Vergleichsgruppe bei 0,4 Prozent. Das entspricht etwa einer Verdopplung, absolut bleibt das Risiko aber klein. Nach einem Jahr war der Unterschied geringer. Für akute Koronarsyndrome wie den Herzinfarkt fand die Studie keinen deutlichen Zusammenhang.
Die Autoren schließen daraus, dass das Risiko vor allem in den ersten Monaten nach Therapiebeginn erhöht ist. Das ist ein Grund, warum Herzerkrankungen vor einer Verordnung genau abgefragt werden.
Senkt Cannabis den Blutdruck?
Kurzfristig kann der Blutdruck vor allem beim Aufstehen absinken. Das ist aber keine Behandlung von Bluthochdruck, sondern eine Nebenwirkung, die zu Schwindel und Stürzen führen kann. Ob regelmäßiger Konsum den Blutdruck auf Dauer verändert, ist nach der wissenschaftlichen Stellungnahme der American Heart Association (2020) nicht eindeutig geklärt.
Wer Blutdrucksenker nimmt, sollte wissen, dass sich ein Blutdruckabfall durch das Medikament und durch THC addieren kann. Mehr dazu im Artikel Wechselwirkungen mit Medikamenten. Setze Herz- oder Blutdruckmedikamente nie eigenmächtig ab oder um.
Wer muss bei Cannabis besonders auf das Herz achten?
Besonders vorsichtig sein sollten Menschen mit einer bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankung und Menschen mit hohem Risiko dafür.
- nach Herzinfarkt oder Schlaganfall, bei Angina pectoris oder koronarer Herzkrankheit
- bei Herzrhythmusstörungen oder Herzschwäche
- bei schlecht eingestelltem Bluthochdruck
- bei Rauchen, Diabetes, hohen Blutfetten oder höherem Alter
- bei Einnahme von Herz-, Blutdruck- oder gerinnungshemmenden Medikamenten
Warum eine schwere Herzerkrankung bei 420doc ein Ausschlussgrund ist
Bei 420doc ist eine schwere Herz-Kreislauf-Erkrankung, etwa nach Herzinfarkt, bei Angina pectoris, Herzrhythmusstörung oder nach Schlaganfall, ein Ausschlussgrund. Eine Verordnung über die Online-Anfrage ist dann nicht möglich. Dasselbe gilt, wenn Cannabis bei dir früher Herzrasen oder Kreislaufprobleme ausgelöst hat.
Das ist keine Aussage darüber, ob Cannabis für dich grundsätzlich in Frage kommt. Es heißt nur, dass diese Abwägung eine persönliche Untersuchung und Begleitung durch deine behandelnden Ärztinnen und Ärzte braucht, zum Beispiel in der Kardiologie. Welche Fragen vor einer Verordnung gestellt werden, erklärt der Artikel zur Erstverordnung.
Spielt es eine Rolle, ob Cannabis geraucht, verdampft oder gegessen wird?
Die American Heart Association weist darauf hin, dass Herz-Kreislauf-Folgen auch vom Aufnahmeweg abhängen können. Beim Rauchen kommen Verbrennungsprodukte wie Kohlenmonoxid hinzu, zusammen mit Tabak zusätzlich Nikotin. Medizinisch wird deshalb verdampft statt geraucht, siehe Cannabis rauchen und die Lunge.
Auch Essbares ist nicht automatisch harmloser. In einer Notaufnahme in Colorado führten Esswaren mit Cannabis häufiger wegen Herz-Kreislauf-Beschwerden zur Behandlung als inhaliertes Cannabis, 8,0 gegenüber 3,1 Prozent der Fälle (Monte 2019). Ein Grund ist die verzögerte Wirkung, die zum Nachlegen verleitet.
Warnzeichen: Wann du sofort die 112 rufen musst
Rufe sofort den Rettungsdienst über die 112, wenn nach Cannabis eines dieser Zeichen auftritt. Fahre nicht selbst ins Krankenhaus.
- Schmerz, Druck oder Enge in der Brust, auch mit Ausstrahlung in Arm, Kiefer oder Rücken
- Atemnot, kalter Schweiß, starke Übelkeit zusammen mit Brustbeschwerden
- Herzrasen oder unregelmäßiger Herzschlag, der sich in Ruhe nicht beruhigt
- Ohnmacht oder Beinahe-Ohnmacht
- plötzliche Lähmung, hängender Mundwinkel, Sprach- oder Sehstörung (Zeichen eines Schlaganfalls)
Häufige Fragen
Warum bekomme ich von Cannabis Herzrasen?
THC beschleunigt über den CB1-Rezeptor den Puls, umso stärker, je höher die Menge. Meist lässt das nach einiger Zeit nach. Hält Herzrasen an oder kommen Brustschmerz oder Atemnot dazu, ruf die 112.
Erhöht Cannabis den Blutdruck?
Im Liegen kann der Blutdruck kurzfristig steigen, beim Aufstehen dagegen absacken. Ob regelmäßiger Konsum auf Dauer zu Bluthochdruck führt, ist nicht eindeutig geklärt.
Kann man von Cannabis einen Herzinfarkt bekommen?
Das ist selten, aber möglich. Studien zeigen ein höheres Risiko vor allem in der Stunde nach dem Konsum und bei täglichem Gebrauch.
Ist medizinisches Cannabis für das Herz sicherer als Freizeitkonsum?
Ärztliche Begleitung, geprüfte Ware und Verdampfen statt Rauchen verringern einige Risiken. In einer dänischen Studie traten unter medizinischem Cannabis trotzdem in den ersten Monaten häufiger Rhythmusstörungen auf.
Darf ich mit Bluthochdruck Cannabis verordnet bekommen?
Das entscheidet die Ärztin oder der Arzt im Einzelfall. Wichtig sind, wie gut der Blutdruck eingestellt ist, welche Medikamente du nimmst und ob weitere Herzerkrankungen bestehen.
Quellen
- Mittleman MA et al. (2001): Triggering myocardial infarction by marijuana. Circulation
- Jeffers AM et al. (2024): Association of Cannabis Use With Cardiovascular Outcomes Among US Adults. J Am Heart Assoc
- Storck W et al. (2025): Cardiovascular risk associated with the use of cannabis and cannabinoids: a systematic review and meta-analysis. Heart
- Holt A et al. (2024): Cannabis for chronic pain: cardiovascular safety in a nationwide Danish study. Eur Heart J
- Pacher P et al. (2018): Cardiovascular effects of marijuana and synthetic cannabinoids. Nat Rev Cardiol
- Page RL et al. (2020): Medical Marijuana, Recreational Cannabis, and Cardiovascular Health. Scientific Statement der American Heart Association. Circulation
- Monte AA et al. (2019): Acute Illness Associated With Cannabis Use, by Route of Exposure. Ann Intern Med
- Grotenhermen F (2003): Pharmacokinetics and pharmacodynamics of cannabinoids. Clin Pharmacokinet
420doc Redaktion · Veröffentlicht am 26. Oktober 2026 · Aktualisiert am 26. Oktober 2026
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