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Cannabis rauchen und die Lunge: Was Studien zu Husten, Bronchitis und Lungenfunktion zeigen
Regelmäßiges Cannabisrauchen reizt die Atemwege und ist mit Husten, Auswurf und pfeifender Atmung verbunden. Für bleibende Schäden an der Lungenfunktion und für Lungenkrebs ist die Studienlage weniger eindeutig. Was bekannt ist, was das Verdampfen ändert und welche Warnzeichen zählen.
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Inhalt dieses Artikels
- Was passiert in der Lunge, wenn man Cannabis raucht?
- Macht Kiffen Bronchitis?
- Schadet Cannabisrauchen der Lungenfunktion?
- Kann Cannabis ein Lungenemphysem verursachen?
- Erhöht Cannabisrauchen das Risiko für Lungenkrebs?
- Ist Verdampfen besser für die Lunge als Rauchen?
- Warum medizinisches Cannabis verdampft und nicht geraucht wird
- Warnzeichen: Wann du ärztliche Hilfe brauchst
- Häufige Fragen
Wer Cannabis raucht, atmet heißen Rauch mit Verbrennungsprodukten ein, ähnlich wie bei Tabak. Gleichzeitig unterscheiden sich die Ergebnisse der Forschung zu Cannabis in einigen Punkten deutlich von denen zum Zigarettenrauchen.
Dieser Artikel ordnet ein, was zu Atemwegen, Lungenfunktion, Emphysem und Lungenkrebs bekannt ist. Wie ein Vaporisator funktioniert und wie man ihn anwendet, erklärt der eigene Artikel Cannabis verdampfen statt rauchen.
Was passiert in der Lunge, wenn man Cannabis raucht?
Nach einer Übersichtsarbeit des Lungenforschers Donald Tashkin (2013) verursacht regelmäßiges Cannabisrauchen sichtbare und mikroskopische Schäden an den großen Atemwegen. Die Flimmerhärchen, die Schleim und Partikel aus den Bronchien befördern, gehen zum Teil verloren. Auch die Fresszellen in den Lungenbläschen, die Keime abwehren, arbeiten schlechter.
Ob dadurch häufiger Lungenentzündungen entstehen, ist laut derselben Übersicht nicht sicher belegt. Klar ist: Die Atemwege werden gereizt, und das zeigt sich vor allem als Husten.
Macht Kiffen Bronchitis?
Regelmäßiges Rauchen ist mit typischen Zeichen einer chronischen Bronchitis verbunden. Eine Metaanalyse in den Annals of Internal Medicine (Ghasemiesfe 2018) fand in Langzeitstudien ein etwa doppelt so hohes Risiko für Husten und ein fast vierfaches Risiko für Auswurf. Die Autoren bewerten die Beweislage allerdings als schwach, weil viele Studien Schwächen hatten.
Eine neuseeländische Langzeitstudie hat über 1.000 Menschen von 18 bis 38 Jahren begleitet (Hancox 2015). Häufiger Konsum, definiert als mindestens 52-mal im Jahr, war mit mehr morgendlichem Husten, Auswurf und pfeifender Atmung verbunden, auch nach Berücksichtigung des Tabakrauchens. Die gute Nachricht: Wer weniger konsumierte oder aufhörte, hatte danach wieder ähnlich selten Beschwerden wie Nichtkonsumierende.
Schadet Cannabisrauchen der Lungenfunktion?
Hier ist die Lage weniger eindeutig als beim Tabak. In der US-Studie CARDIA wurde die Lungenfunktion von 5.115 Erwachsenen über 20 Jahre wiederholt gemessen (Pletcher 2012). Gelegentlicher und insgesamt geringer Konsum war nicht mit einer schlechteren Lungenfunktion verbunden. Bei sehr starkem Konsum über viele Jahre flachte dieser Befund ab oder kehrte sich um. Die Ergebnisse waren dort aber ungenau, eine deutliche Verschlechterung ließ sich nicht sicher nachweisen.
Auch Tashkin kommt zu dem Schluss, dass ein klarer Zusammenhang mit der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) bisher nicht nachgewiesen ist. Die Metaanalyse von 2018 hielt die Daten zur Lungenfunktion für unzureichend. Das heißt nicht, dass Cannabisrauchen harmlos ist, sondern dass gute Langzeitdaten fehlen, besonders zu starkem Konsum und zu den heute deutlich stärkeren Sorten.
Kann Cannabis ein Lungenemphysem verursachen?
Ein Emphysem ist eine Überblähung der Lunge, bei der Lungenbläschen zerstört sind. Eine kanadische Auswertung von CT-Aufnahmen fand Emphyseme bei 75 Prozent der untersuchten Cannabisrauchenden, aber nur bei 5 Prozent der Nichtrauchenden (Murtha 2022). Auch verdickte Bronchialwände waren häufiger.
Die Aussagekraft ist begrenzt: Die Gruppe war klein, und viele der Cannabisrauchenden rauchten zusätzlich Tabak. Einzelne Fallberichte beschreiben außerdem große Lungenblasen und einen Lungenkollaps (Pneumothorax) nach Cannabisrauchen, ein ursächlicher Zusammenhang ist aber nicht belegt.
Erhöht Cannabisrauchen das Risiko für Lungenkrebs?
Cannabisrauch enthält krebserregende Stoffe. In Studien zeigt sich bisher aber kein klar erhöhtes Lungenkrebsrisiko. Eine gepoolte Auswertung von sechs Studien mit 2.159 Lungenkrebsfällen fand für regelmäßigen Konsum kein erhöhtes Risiko, das Chancenverhältnis lag bei 0,96 (Zhang 2015). Die Autoren betonen aber, dass ein Risiko bei sehr starkem Konsum nicht ausgeschlossen werden kann.
Ganz anders ist es beim Tabak. Wer Cannabis mit Tabak mischt, wie es bei Joints oft der Fall ist, nimmt dessen bekannte Risiken für Krebs, COPD und Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit, dazu das abhängig machende Nikotin.
Ist Verdampfen besser für die Lunge als Rauchen?
Beim Verdampfen werden die Blüten erhitzt, aber nicht verbrannt. Dadurch entstehen weniger Verbrennungsprodukte. In einer kleinen Studie stiegen 20 Menschen mit Atemwegsbeschwerden für einen Monat auf einen Vaporisator um (Van Dam und Earleywine 2010). Bei den 12 Personen, die die Studie ohne Atemwegsinfekt beendeten, besserten sich die Beschwerden und ein Teil der Lungenfunktionswerte.
Das ist ermutigend, aber kein Beweis: Die Studie war klein und hatte keine Vergleichsgruppe. Ob Verdampfen die Lunge auf Dauer schont, ist nicht gut untersucht. Schonender heißt nicht gesund, und auch Dampf kann die Atemwege reizen.
Wichtig ist die Abgrenzung zu THC-Liquids und Vape-Pens vom Schwarzmarkt. In den USA wurde 2019 eine Welle schwerer Lungenschäden (EVALI) vor allem mit THC-haltigen Liquids und dem Zusatzstoff Vitamin-E-Acetat in Verbindung gebracht. Mehr dazu im Artikel Synthetische Cannabinoide und THC-Liquids.
Warum medizinisches Cannabis verdampft und nicht geraucht wird
Medizinische Blüten werden zum Verdampfen verordnet. Auch 420doc verordnet Blüten nur zur Inhalation mit einem Vaporisator, nicht zum Rauchen. Welche Formen es außerdem gibt, erklärt der Artikel Darreichungsformen von Cannabis, mehr zum Gerät im Lexikon unter Vaporizer.
Bei 420doc ist eine schwere Lungenerkrankung wie COPD oder schweres Asthma ein Ausschlussgrund für die Online-Verordnung, weil Blüten inhaliert werden. Ob eine andere Form in Frage kommt, sollte dann persönlich mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten besprochen werden. Wer ein geschwächtes Immunsystem hat, sollte zudem auf die mikrobiologische Qualität achten, siehe Bestrahltes Cannabis.
Warnzeichen: Wann du ärztliche Hilfe brauchst
Ruf sofort die 112 bei plötzlicher starker Atemnot, plötzlichem stechendem Brustschmerz, der beim Atmen schlimmer wird, bläulichen Lippen oder Bewusstseinsstörung.
Lass dich zeitnah ärztlich untersuchen bei Husten, der länger als einige Wochen anhält, bei Blut im Auswurf, bei pfeifender Atmung, zunehmender Kurzatmigkeit beim Treppensteigen oder Fieber mit Husten. Sag dabei offen, dass und wie du Cannabis konsumierst. Das hilft bei der richtigen Einordnung.
Häufige Fragen
Ist Kiffen schlimmer für die Lunge als Zigaretten?
Nach heutiger Studienlage sind die Folgen für Lungenfunktion und Lungenkrebs bei Tabak deutlich klarer belegt. Regelmäßiges Cannabisrauchen reizt aber die Bronchien und verursacht Husten und Auswurf. Mit Tabak gemischt addieren sich die Risiken.
Erholt sich die Lunge, wenn ich aufhöre zu kiffen?
Husten, Auswurf und pfeifende Atmung gingen in einer Langzeitstudie nach dem Aufhören oder Reduzieren deutlich zurück, auf ein ähnliches Niveau wie bei Nichtkonsumierenden.
Verursacht Cannabis Lungenkrebs?
Eine große gepoolte Auswertung fand für regelmäßigen Konsum kein erhöhtes Risiko. Für sehr starken, langjährigen Konsum lässt sich ein Risiko aber nicht ausschließen.
Schützt ein Vaporizer die Lunge vollständig?
Nein. Es entstehen weniger Verbrennungsprodukte, und in einer kleinen Studie besserten sich Atemwegsbeschwerden. Langzeitdaten fehlen, und auch Dampf kann reizen.
Darf ich mit Asthma medizinisches Cannabis inhalieren?
Das muss ärztlich im Einzelfall geprüft werden. Bei schwerem Asthma oder COPD ist eine Online-Verordnung bei 420doc nicht möglich.
Quellen
- Tashkin DP (2013): Effects of marijuana smoking on the lung. Ann Am Thorac Soc
- Ghasemiesfe M et al. (2018): Marijuana Use, Respiratory Symptoms, and Pulmonary Function: A Systematic Review and Meta-analysis. Ann Intern Med
- Hancox RJ et al. (2015): Effects of quitting cannabis on respiratory symptoms. Eur Respir J
- Pletcher MJ et al. (2012): Association between marijuana exposure and pulmonary function over 20 years. JAMA
- Murtha L et al. (2022): Chest CT Findings in Marijuana Smokers. Radiology
- Zhang LR et al. (2015): Cannabis smoking and lung cancer risk: Pooled analysis in the International Lung Cancer Consortium. Int J Cancer
- Van Dam NT, Earleywine M (2010): Pulmonary function in cannabis users: Support for a clinical trial of the vaporizer. Int J Drug Policy
- CDC: Outbreak of Lung Injury Associated with E-Cigarette, or Vaping, Products (EVALI)
420doc Redaktion · Veröffentlicht am 26. Oktober 2026 · Aktualisiert am 26. Oktober 2026
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