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Nebenwirkungen von medizinischem Cannabis: häufige, seltene und Warnzeichen

Die häufigsten Nebenwirkungen von medizinischem Cannabis sind Müdigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit und Übelkeit. Sie treten vor allem zu Beginn auf, manche lassen sich durch eine ärztliche Anpassung der Therapie beeinflussen. Welche Effekte häufig sind, welche selten und wann du sofort ärztliche Hilfe brauchst.

Stillleben: ein Wasserglas und eine kleine Porzellanschale, dahinter eine feine Herzschlaglinie.KI-generiert
Titelbild: Achtsam bleiben
Stillleben, Glas · KI-generiert
420doc Magazin
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Inhalt dieses Artikels
  1. Was die BfArM-Begleiterhebung zeigt
  2. Körperliche Nebenwirkungen
  3. Psychische Nebenwirkungen
  4. Langfristige Risiken
  5. Was die Nebenwirkungen beeinflusst
  6. Was du bei Nebenwirkungen tun kannst
  7. Warnzeichen: Wann sofort Hilfe nötig ist
  8. Häufige Fragen

Wie jedes wirksame Arzneimittel kann auch medizinisches Cannabis Nebenwirkungen haben. Am häufigsten sind Müdigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit und Übelkeit. Sie treten vor allem zu Beginn oder nach einer Erhöhung der Menge auf. Manche lassen nach einigen Tagen nach, andere lassen sich durch eine ärztliche Anpassung der Therapie beeinflussen.

Seltener, aber wichtiger sind psychische Nebenwirkungen wie Angst, Verwirrtheit oder psychotische Symptome. Hier erfährst du, was die Daten aus Deutschland zeigen, wer besonders vorsichtig sein sollte und was du tun kannst.

Was die BfArM-Begleiterhebung zeigt

Von 2017 bis 2022 hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Daten zu gesetzlich Versicherten mit genehmigter Cannabistherapie gesammelt. Ausgewertet wurden 16.809 vollständige Datensätze. Die Ergebnisse sind die beste deutsche Datengrundlage zu Nebenwirkungen im Alltag.

Sehr häufig war Müdigkeit (14,9 Prozent). Häufig waren Schwindel (9,8 Prozent), Schläfrigkeit (6,0 Prozent), Übelkeit (4,9 Prozent), Mundtrockenheit (4,9 Prozent), Aufmerksamkeitsstörungen (4,3 Prozent), gesteigerter Appetit (4,2 Prozent), Gleichgewichtsstörungen (3,1 Prozent) und Gedächtnisstörungen (3,0 Prozent).

Therapieabbrüche wegen Nebenwirkungen kamen laut Auswertung nur selten vor. Die Schwere der Nebenwirkungen wurde nicht erhoben, und die Daten stammen aus einer Online-Umfrage der behandelnden Ärztinnen und Ärzte. Das ist bei der Einordnung zu berücksichtigen.

Körperliche Nebenwirkungen

Neben Müdigkeit und Schwindel können ein schnellerer Puls, Herzklopfen, niedriger Blutdruck beim Aufstehen, Übelkeit, Durchfall oder Verstopfung und verschwommenes Sehen auftreten. Gerade ältere Menschen sollten auf Sturzgefahr achten.

Wer Blüten raucht statt verdampft, belastet zusätzlich die Atemwege. Medizinisch ist das Verdampfen mit einem Vaporisator die übliche Anwendung, siehe Vaporisieren statt Rauchen.

Eine seltene Besonderheit bei langem, sehr häufigem Gebrauch ist das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom mit wiederkehrendem starkem Erbrechen. Es bessert sich nach dem Absetzen.

Psychische Nebenwirkungen

In der Begleiterhebung wurden unter anderem euphorische Stimmung (1,4 Prozent), depressive Verstimmung (1,2 Prozent), Desorientierung (1,7 Prozent), Halluzinationen (0,7 Prozent) und Wahnvorstellungen (0,4 Prozent) gemeldet. Über Freitextangaben kamen Angst, innere Unruhe und Panikattacken hinzu.

Ein höheres Risiko haben junge Menschen, Menschen mit eigener oder familiärer Vorgeschichte von Psychosen oder bipolaren Störungen und Menschen mit Angststörungen. Besondere Vorsicht gilt außerdem bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie in Schwangerschaft und Stillzeit, in denen medizinisches Cannabis in der Regel nicht verordnet wird. Mehr dazu in den Artikeln Cannabis und Psychosen und Cannabis und Psyche.

Langfristige Risiken

Bei langer Anwendung kann sich eine Toleranz entwickeln, die Wirkung lässt dann nach, siehe Toleranz. Wie jedes psychoaktive Mittel kann THC abhängig machen. Beim Absetzen nach längerer Anwendung können vorübergehend Schlafstörungen, Reizbarkeit und Unruhe auftreten, mehr dazu im Artikel Absetzen und Entzug.

Deshalb gehört zu jeder Therapie eine regelmäßige Überprüfung: Überwiegt der Nutzen noch die Nebenwirkungen?

Was die Nebenwirkungen beeinflusst

Wirkstoffgehalt und Verhältnis von THC zu CBD, Menge, Darreichungsform, Einnahmezeit, Erfahrung, Alter, Begleiterkrankungen und weitere Medikamente. Beruhigungsmittel, Schlafmittel, Opioide und Alkohol können Müdigkeit und Schwindel verstärken, siehe Wechselwirkungen.

Viele Nebenwirkungen lassen sich vermeiden, wenn langsam eingestellt wird. Wie das abläuft, erklärt der Artikel Dosierung und Einstellung.

Was du bei Nebenwirkungen tun kannst

Notiere, wann und wie stark eine Nebenwirkung auftritt, am besten in einem Therapietagebuch. Ändere nichts eigenmächtig, sondern sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Oft hilft eine geringere Menge, eine andere Einnahmezeit oder eine andere Zusammensetzung.

Fahre nicht und bediene keine Maschinen, wenn du beeinträchtigt sein könntest, besonders in der Einstellungsphase, nach Änderungen der Menge und zusammen mit Alkohol oder Beruhigungsmitteln. Auch wenn du dich fit fühlst, kann die Reaktionsfähigkeit eingeschränkt sein. Frag deine Ärztin oder deinen Arzt, ab wann du wieder fahren kannst. Die Regeln im Straßenverkehr erklärt der Ratgeber Fahren mit Cannabis-Rezept.

Warnzeichen: Wann sofort Hilfe nötig ist

Brustschmerz, starkes Herzrasen, Ohnmacht, Krampfanfall, anhaltendes Erbrechen, Verwirrtheit, Halluzinationen, Verfolgungsgedanken oder Gedanken an Selbstverletzung. In diesen Fällen: Anwendung stoppen, nicht selbst Auto fahren und sofort ärztliche Hilfe holen, im Notfall über die 112.

Häufige Fragen

Was ist die häufigste Nebenwirkung von medizinischem Cannabis?

Müdigkeit. In der BfArM-Begleiterhebung trat sie bei 14,9 Prozent der Behandelten auf.

Gehen die Nebenwirkungen wieder weg?

Viele lassen nach einigen Tagen nach, wenn sich der Körper gewöhnt hat, oder bessern sich nach einer Anpassung der Therapie.

Hat CBD weniger Nebenwirkungen als THC?

CBD wirkt nicht berauschend, kann aber Müdigkeit, Durchfall und Veränderungen der Leberwerte auslösen und mit anderen Medikamenten wechselwirken.

Kann man von medizinischem Cannabis abhängig werden?

Ja, das Risiko besteht. Es wird durch ärztliche Begleitung, möglichst niedrige Mengen und regelmäßige Überprüfung kleiner gehalten.

Was tun bei einer zu starken Wirkung?

Ruhig hinsetzen oder hinlegen, Wasser trinken, nichts weiter nehmen, nicht fahren. Bei Brustschmerz, Bewusstseinsstörung oder anhaltender Panik die 112 rufen.

Quellen

  1. PTAheute: Welche Nebenwirkungen haben Cannabis-Arzneimittel? (BfArM/PEI, Bulletin zur Arzneimittelsicherheit 3/2022)
  2. Whiting PF et al. (2015): Cannabinoids for Medical Use: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA
  3. Volkow ND et al. (2014): Adverse Health Effects of Marijuana Use. N Engl J Med

420doc Redaktion · Veröffentlicht am 20. Oktober 2026 · Aktualisiert am 20. Oktober 2026
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