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Cannabis-Hyperemesis-Syndrom (CHS): Symptome, heiße Duschen und Behandlung
Beim Cannabis-Hyperemesis-Syndrom kommt es nach langem, regelmäßigem Konsum immer wieder zu heftiger Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen. Viele Betroffene duschen dann zwanghaft heiß. Woran du CHS erkennst, warum normale Mittel gegen Übelkeit oft kaum helfen, was wirklich hilft und wann es ein Notfall ist.
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Inhalt dieses Artikels
- Was ist das Cannabis-Hyperemesis-Syndrom?
- Welche Symptome sind typisch für CHS?
- Warum helfen heiße Duschen bei CHS?
- Wie wird das Cannabis-Hyperemesis-Syndrom behandelt?
- CHS und medizinisches Cannabis: Was gilt bei einer Therapie?
- Wann ist CHS ein Notfall?
- Wie lange dauert es, bis CHS nach dem Absetzen aufhört?
- Häufige Fragen
THC ist bekannt dafür, Übelkeit zu dämpfen. Umso verwirrender ist für viele Betroffene, dass Cannabis auch genau das Gegenteil auslösen kann: Anfälle von heftigem Erbrechen, die immer wiederkommen. Fachleute nennen das Cannabis-Hyperemesis-Syndrom, kurz CHS. Hyperemesis bedeutet übermäßiges Erbrechen.
Weil viele den Zusammenhang nicht kennen, vergehen oft Monate mit Untersuchungen, bevor jemand an Cannabis denkt. Hier erfährst du, woran man CHS erkennt, was dahintersteckt, wie es behandelt wird und wann du sofort Hilfe brauchst.
Was ist das Cannabis-Hyperemesis-Syndrom?
Erstmals beschrieben wurde CHS 2004 in Australien. In dieser Fallserie hatte bei allen Betroffenen der langjährige Cannabiskonsum vor dem Beginn des wiederkehrenden Erbrechens gestanden. Wer aufhörte, wurde in den meisten Fällen beschwerdefrei. Wer nach einer Pause wieder anfing, bekam die Anfälle zurück (Allen 2004).
Warum Cannabis bei manchen Menschen Erbrechen auslöst, ist bis heute nicht geklärt. Eine systematische Übersichtsarbeit von 2017 stellt fest, dass es kaum Forschung zum zugrunde liegenden Mechanismus gibt (Sorensen 2017). Diskutiert werden Veränderungen im körpereigenen Cannabinoid-System bei sehr häufigem Gebrauch, siehe Endocannabinoid-System.
Wichtig ist die Abgrenzung zum zyklischen Erbrechenssyndrom, das es auch ohne Cannabis gibt. Fachleute diskutieren, ob Cannabis CHS selbst verursacht oder bei manchen Menschen eine bestehende Neigung auslöst (Venkatesan 2019). Deshalb gehört die Diagnose in ärztliche Hände.
Welche Symptome sind typisch für CHS?
Die Übersichtsarbeit von Sorensen und Kollegen hat 183 Veröffentlichungen ausgewertet. Diese Merkmale fanden sich besonders häufig:
| Merkmal | Anteil |
|---|---|
| regelmäßiger Cannabiskonsum | 100 % |
| wiederkehrende Übelkeit und Erbrechen in Anfällen | 100 % |
| Konsum mindestens einmal pro Woche | 97,4 % |
| Besserung nach dem Absetzen von Cannabis | 96,8 % |
| Linderung durch heiße Bäder oder Duschen | 92,3 % |
| Bauchschmerzen | 85,1 % |
| männlich | 72,9 % |
Warum helfen heiße Duschen bei CHS?
Viele Betroffene stellen fest, dass heißes Wasser die Übelkeit für eine Weile dämpft, und duschen oder baden dann immer wieder, manchmal stundenlang. Schon in der ersten Fallserie zeigten neun von zehn Betroffenen dieses ungewöhnliche Waschverhalten. Fachleute sprechen von zwanghaftem heißem Baden. Es gilt als starker Hinweis auf CHS, beweist es aber nicht.
Warum Wärme hilft, ist nicht sicher bekannt. Vorsicht: Sehr heißes Wasser kann die Haut verbrühen, und langes Duschen ersetzt keine Flüssigkeit. Wer viel erbricht, verliert Wasser und Salze.
Wie wird das Cannabis-Hyperemesis-Syndrom behandelt?
Im akuten Anfall geht es darum, Flüssigkeit zu ersetzen und das Erbrechen zu stoppen. Das passiert in der Regel in der Notaufnahme. Übliche Mittel gegen Übelkeit wirken bei CHS oft schlecht (Richards 2017). In einer kleinen randomisierten Studie linderte Haloperidol Bauchschmerzen und Übelkeit besser als das Standardmittel Ondansetron (Ruberto 2021). Auch eine Creme mit Capsaicin, dem Scharfstoff aus Chili, wird in Kliniken eingesetzt. Diese Entscheidungen trifft das Behandlungsteam, nicht zu Hause.
Opioide gelten bei CHS als ungünstig und sollten vermieden werden (Sorensen 2017).
Dauerhaft hilft nach heutigem Wissen nur eines: vollständig auf Cannabis zu verzichten. Eine systematische Übersicht bei Jugendlichen kommt zu demselben Ergebnis. Haloperidol oder Capsaicin können im Einzelfall Erleichterung bringen, das Absetzen bleibt aber die einzige bekannte wirksame Behandlung (Zhu 2021). Weniger zu konsumieren reicht meist nicht. Schon in der ersten Fallserie kamen die Anfälle bei erneutem Konsum zurück.
CHS und medizinisches Cannabis: Was gilt bei einer Therapie?
CHS ist vor allem bei langem, häufigem Konsum beschrieben. Die meisten Fallberichte stammen aus dem Freizeitkonsum. Wenn du medizinisches Cannabis bekommst und wiederholt Übelkeit oder Erbrechen bemerkst, sprich das sofort mit deiner Ärztin oder deinem Arzt an, statt die Menge zu erhöhen. Das gilt besonders, wenn du Cannabis eigentlich gegen Übelkeit anwendest.
Bei 420doc wird im Fragebogen gefragt, ob Cannabis bei dir schon einmal Übelkeit oder Erbrechen ausgelöst hat. Diese Angabe sieht die Ärztin oder der Arzt bei der Prüfung ausdrücklich als Hinweis auf ein mögliches CHS. Mehr zu Cannabis und dem Verdauungstrakt findest du im Artikel Cannabis, Magen und Darm.
Wann ist CHS ein Notfall?
Anhaltendes Erbrechen ist ernst. Fallberichte beschreiben schwere Verläufe mit Flüssigkeitsmangel und entgleisten Blutsalzen, in seltenen Fällen sogar Todesfälle (Nourbakhsh 2019). Such sofort ärztliche Hilfe oder ruf die 112, wenn eines davon zutrifft:
- Du kannst seit vielen Stunden weder Wasser noch Essen bei dir behalten.
- Du musst kaum noch Wasser lassen, der Urin ist sehr dunkel, oder dir wird beim Aufstehen schwarz vor Augen.
- Du bist verwirrt, sehr schläfrig oder hast Muskelkrämpfe.
- Im Erbrochenen ist Blut oder es sieht aus wie Kaffeesatz.
- Starke, anhaltende Bauchschmerzen, Fieber oder Brustschmerzen kommen dazu.
Wie lange dauert es, bis CHS nach dem Absetzen aufhört?
Bei den meisten Betroffenen werden die Anfälle nach dem Absetzen seltener und hören schließlich auf. Feste Zeitangaben lassen sich aus den vorhandenen Studien nicht sicher ableiten, weil sie oft nur kurze Nachbeobachtungen haben.
In den ersten Tagen nach dem Aufhören können zusätzlich Entzugsbeschwerden wie Unruhe, Schlafprobleme und Reizbarkeit auftreten. Wie du das gut überstehst und wo du Unterstützung findest, erklärt der Artikel Cannabis absetzen und Entzug. Wenn der Verzicht trotz mehrerer Versuche nicht gelingt, ist eine Suchtberatung ein guter nächster Schritt.
Häufige Fragen
Kann man vom Kiffen ständig erbrechen müssen?
Ja. Bei langem, regelmäßigem Konsum kann ein Cannabis-Hyperemesis-Syndrom mit wiederkehrenden Brechanfällen auftreten, obwohl THC sonst Übelkeit dämpft.
Warum helfen heiße Duschen beim Cannabis-Hyperemesis-Syndrom?
Das ist nicht geklärt. Sehr viele Betroffene berichten aber, dass heißes Wasser die Übelkeit kurz lindert. Das gilt als typisches Zeichen von CHS.
Was ist der Unterschied zwischen CHS und zyklischem Erbrechen?
Beide verlaufen in wiederkehrenden Brechanfällen. Das zyklische Erbrechenssyndrom gibt es auch ohne Cannabis. Bei CHS steht langer, regelmäßiger Cannabiskonsum davor, und die Anfälle hören nach dem Absetzen meist auf.
Was hilft sofort gegen CHS?
Zu Hause gibt es kein sicheres Mittel. Im Krankenhaus bekommst du Flüssigkeit über die Vene und Medikamente, die bei CHS besser wirken als übliche Mittel gegen Übelkeit.
Kann ich nach CHS wieder Cannabis nehmen?
Davon wird abgeraten. In Fallberichten kamen die Anfälle bei erneutem Konsum zurück. Der vollständige Verzicht ist die einzige bekannte dauerhaft wirksame Behandlung.
Gibt es CHS auch mit CBD?
Beschrieben ist CHS vor allem bei THC-haltigem Cannabis. Ob reines CBD das Syndrom auslösen kann, ist nicht untersucht.
Quellen
- Allen JH et al. (2004): Cannabinoid hyperemesis: cyclical hyperemesis in association with chronic cannabis abuse. Gut
- Sorensen CJ et al. (2017): Cannabinoid Hyperemesis Syndrome: Diagnosis, Pathophysiology, and Treatment – a Systematic Review. J Med Toxicol
- Richards JR et al. (2017): Pharmacologic Treatment of Cannabinoid Hyperemesis Syndrome: A Systematic Review. Pharmacotherapy
- Ruberto AJ et al. (2021): Intravenous Haloperidol Versus Ondansetron for Cannabis Hyperemesis Syndrome (HaVOC). Ann Emerg Med
- Rubio-Tapia A et al. (2024): AGA Clinical Practice Update on Diagnosis and Management of Cannabinoid Hyperemesis Syndrome. Gastroenterology
- Venkatesan T et al. (2019): Role of chronic cannabis use: Cyclic vomiting syndrome vs cannabinoid hyperemesis syndrome. Neurogastroenterol Motil
- Zhu JW et al. (2021): Diagnosis and Acute Management of Adolescent Cannabinoid Hyperemesis Syndrome: A Systematic Review. J Adolesc Health
- Nourbakhsh M et al. (2019): Cannabinoid Hyperemesis Syndrome: Reports of Fatal Cases. J Forensic Sci
420doc Redaktion · Veröffentlicht am 26. Oktober 2026 · Aktualisiert am 26. Oktober 2026
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