Pflanze & QualitätCannabis indica
Indica
Was bedeutet Indica?
Der Name stammt aus der Botanik. Carl von Linné beschrieb 1753 nur eine Art, Cannabis sativa. Jean-Baptiste Lamarck stellte 1785 eine zweite Art daneben: Cannabis indica für berauschende Pflanzen aus Indien.
Die heutige Alltagsbedeutung entstand erst ab den 1980er-Jahren. Seitdem steht „Indica“ für Pflanzen mit breiten Blattfingern, kurzem, kompaktem Wuchs und früher Reife, deren Vorfahren vor allem aus Zentralasien stammen, etwa aus Afghanistan. Mit Lamarcks ursprünglichem Cannabis indica hat das nur noch wenig zu tun.
Den ausführlichen Vergleich mit Sativa und Hybrid findest du im Magazin-Artikel Indica, Sativa, Hybrid.
Ist Indica eine eigene Pflanzenart?
Darüber streiten Botaniker seit über 200 Jahren. Viele ordnen heute alle Formen einer einzigen Art zu, Cannabis sativa, und unterscheiden Indica und Sativa höchstens als Unterarten. Eine Auswertung von DNA-Barcodes spricht ebenfalls für diese Einordnung.
Für die Praxis wichtiger: Durch jahrzehntelange Kreuzung sind die meisten heutigen Sorten Hybride. Fachleute halten die Unterschiede zwischen Indica und Sativa deshalb inzwischen für weitgehend verwischt.
Wirkt Indica beruhigend?
Das Etikett ist dafür kein verlässlicher Hinweis. In einer Studie in Nature Plants von 2021 waren Proben mit Indica- und Sativa-Etikett im gesamten Erbgut genetisch nicht zu unterscheiden. Die Etiketten hingen nur mit wenigen Terpenen zusammen, also eher mit dem Geruch.
Auch eine Auswertung von fast 90.000 Laborproben aus den USA fand, dass die Etiketten nicht zuverlässig zum chemischen Profil passen. Wie eine Sorte wirkt, hängt vor allem von THC- und CBD-Gehalt, Menge, Anwendung und deiner persönlichen Reaktion ab. Wie willkürlich die Einteilung sein kann, zeigt ein Beispiel: Eine Sorte gewann einen bekannten Wettbewerb einmal als beste Sativa und vier Jahre später als beste Indica.
Welche Rolle spielt Indica bei Cannabis aus der Apotheke?
Manche Hersteller ordnen ihre Blüten weiter als Indica, Sativa oder Hybrid ein. Für die ärztliche Auswahl ist das gemessene chemische Profil aussagekräftiger, auch Chemovar genannt: vor allem THC- und CBD-Gehalt, ergänzend die Terpene.
Beim Wechsel der Sorte helfen Notizen zu Wirkung und Nebenwirkungen mehr als das Etikett. Mehr dazu im Artikel Sorte wechseln.
Häufige Fragen
Was bedeutet Indica?
Ursprünglich ein botanischer Name für Cannabis aus Indien. Heute meist ein Etikett für kompakte Pflanzen mit breiten Blättern.
Macht Indica müde?
Das Etikett ist dafür kein verlässlicher Hinweis. Studien zeigen, dass Indica- und Sativa-Proben sich genetisch kaum unterscheiden.
Was ist der Unterschied zwischen Indica und Sativa?
Beide Begriffe beschreiben ursprünglich Wuchsform und Herkunft. Über die Wirkung sagen sie wenig, siehe Sativa.
Was ist eine Hybrid-Sorte?
Eine Kreuzung aus Pflanzen mit Indica- und Sativa-Herkunft. Die meisten heutigen Sorten sind Hybride.
Verwandte Begriffe
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Quellen
- Pollio (2016), Cannabis Cannabinoid Res: The Name of Cannabis – A Short Guide for Nonbotanists
- McPartland & Small (2020), PhytoKeys: A classification of endangered high-THC cannabis (Cannabis sativa subsp. indica) domesticates and their wild relatives
- McPartland (2018), Cannabis Cannabinoid Res: Cannabis Systematics at the Levels of Family, Genus, and Species
- Watts et al. (2021), Nat Plants: Cannabis labelling is associated with genetic variation in terpene synthase genes
- Smith et al. (2022), PLOS ONE: The phytochemical diversity of commercial Cannabis in the United States
- Sawler et al. (2015), PLOS ONE: The Genetic Structure of Marijuana and Hemp
- Hazekamp & Fischedick (2012), Drug Test Anal: Cannabis – from cultivar to chemovar
420doc Redaktion · Aktualisiert am 26. Oktober 2026
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