Körper & WirkungCannabis-Toleranz · Gewöhnung an THC · Toleranzentwicklung

Toleranz (Cannabis)

Wie entsteht Toleranz bei Cannabis?

THC wirkt vor allem über den CB1-Rezeptor, einen Teil des Endocannabinoid-Systems. Wird dieser Rezeptor ständig aktiviert, verringert das Gehirn die Zahl der verfügbaren Rezeptoren. In einer Studie mit Bildgebung (PET) hatten Männer, die täglich Cannabis rauchten, in Bereichen der Großhirnrinde weniger CB1-Rezeptoren. Das Ausmaß hing mit der Zahl der Konsumjahre zusammen.

Nach etwa vier Wochen überwachter Abstinenz lag die Rezeptordichte in dieser Studie wieder im normalen Bereich. Eine Übersichtsarbeit beschreibt, dass die Erholung schon in den ersten zwei Tagen ohne Cannabis beginnt.

Gegen welche Wirkungen entwickelt sich Toleranz?

Nicht gegen alle gleich stark. Eine systematische Übersicht über Studien am Menschen fand die deutlichste Toleranz bei den Auswirkungen auf Denken und Gedächtnis, teils bis zum völligen Ausbleiben eines akuten Effekts. Gegen den Rausch, psychoseähnliche Effekte und die Wirkung auf das Herz entwickelte sich die Toleranz nur teilweise.

Auch in der Fachinformation eines Nabilon-Präparats heißt es, dass sich die Toleranz gegenüber zentralnervösen Wirkungen wie Entspannung, Schläfrigkeit und Euphorie rasch entwickelt und umkehrbar ist.

Ausmaß der Toleranz nach Wirkbereich (Colizzi & Bhattacharyya 2018)
WirkbereichToleranz
Denken, Gedächtnis, Aufmerksamkeitam stärksten, teils vollständig
Rausch und psychoseähnliche Effekteteilweise
Wirkung auf das Herzteilweise

Was bedeutet Toleranz in einer Cannabistherapie?

Lässt die Wirkung nach, ist eigenmächtiges Erhöhen keine Lösung. Mehr Menge bringt meist auch mehr Nebenwirkungen. Sprich mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt. Mögliche Wege sind eine Anpassung der Therapie, eine geplante Pause oder die Frage, ob die Behandlung noch passt.

Toleranz ist nicht dasselbe wie Abhängigkeit, aber ein Warnsignal. Kommen Kontrollverlust und Entzugserscheinungen beim Absetzen hinzu, spricht das für eine Abhängigkeit, siehe Cannabis-Entzug. Praktische Hinweise gibt der Artikel Cannabis-Toleranz: Warum THC mit der Zeit weniger wirkt.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, bis die Toleranz sinkt?

In Studien begann die Erholung der CB1-Rezeptoren nach etwa zwei Tagen ohne Cannabis, nach rund vier Wochen lag sie wieder im normalen Bereich. Der Verlauf ist individuell.

Ist Toleranz dasselbe wie Abhängigkeit?

Nein. Toleranz ist eine Gewöhnung. Für eine Abhängigkeit kommen weitere Merkmale hinzu, etwa Kontrollverlust und Entzugserscheinungen.

Soll ich bei nachlassender Wirkung einfach mehr nehmen?

Nein. Bei medizinischem Cannabis ist jede Änderung eine ärztliche Entscheidung.

Entwickelt sich gegen alle Wirkungen gleich viel Toleranz?

Nein. Am stärksten ist sie bei Effekten auf Denken und Gedächtnis, beim Rausch und bei der Herzwirkung nur teilweise.

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Quellen

  1. Hirvonen et al. (2012), Mol Psychiatry: Reversible and regionally selective downregulation of brain cannabinoid CB1 receptors in chronic daily cannabis smokers
  2. Colizzi & Bhattacharyya (2018), Neurosci Biobehav Rev: Cannabis use and the development of tolerance: a systematic review of human evidence
  3. Bonnet & Preuss (2017), Subst Abuse Rehabil: The cannabis withdrawal syndrome: current insights
  4. KV Berlin: Fachinformation eines Nabilon-Kapselpräparats

420doc Redaktion · Aktualisiert am 26. Oktober 2026
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