Körper & Wirkungcannabisinduzierte Psychose · drogeninduzierte Psychose · psychotische Störung durch Cannabinoide
Cannabis-Psychose
Was ist eine Cannabis-Psychose?
Bei einer Psychose ist die Wahrnehmung der Wirklichkeit vorübergehend oder länger gestört. Typisch sind Stimmenhören oder andere Sinnestäuschungen, Verfolgungsgedanken, starkes Misstrauen und Gedanken, die sich nicht mehr ordnen lassen. Tritt eine solche Störung im Zusammenhang mit Cannabis auf, wird sie als psychotische Störung durch Cannabinoide eingeordnet (ICD-10 F12.5).
Davon zu unterscheiden sind kurze Angst- oder Panikreaktionen während eines Rauschs. Eine Psychose geht über den Rausch hinaus und braucht ärztliche Abklärung.
Wie hoch ist das Risiko für eine Psychose durch Cannabis?
In einer europäischen Fall-Kontroll-Studie mit 901 Erkrankten und 1.237 Kontrollpersonen war täglicher Cannabiskonsum mit etwa dreifach erhöhten Chancen für eine psychotische Störung verbunden. Bei täglichem Konsum von Cannabis mit mindestens 10 Prozent THC waren sie fast fünffach erhöht.
Eine Meta-Analyse fand einen Dosis-Wirkungs-Zusammenhang: Je mehr konsumiert wurde, desto höher war das Risiko. Die Forschenden halten fest, dass sich ein ursächlicher Zusammenhang damit nicht eindeutig beweisen lässt, die Hinweise aber für Vorsorge ausreichen.
| Vergleich | Odds Ratio | Studie |
|---|---|---|
| täglicher Konsum vs. nie | 3,2 | Di Forti et al. 2019 |
| täglicher Konsum von Cannabis mit ≥ 10 % THC vs. nie | 4,8 | Di Forti et al. 2019 |
| stärkster Konsum vs. kein Konsum | 3,9 | Marconi et al. 2016 |
Geht eine Cannabis-Psychose wieder weg?
Oft klingen die Beschwerden mit Abstinenz und Behandlung ab. Ein Teil der Betroffenen entwickelt aber später eine dauerhafte Erkrankung. In einer dänischen Registerstudie mit 6.788 Personen nach einer substanzbedingten Psychose erkrankten nach einer cannabisbedingten Psychose 47 Prozent später an einer Schizophrenie oder bipolaren Störung. Das war der höchste Anteil aller Substanzen. Junges Alter erhöhte das Risiko für eine Schizophrenie.
Die Hälfte dieser Übergänge in eine Schizophrenie geschah innerhalb von gut drei Jahren. Eine längere ärztliche Begleitung nach einer Cannabis-Psychose ist deshalb sinnvoll.
Was bedeutet das für medizinisches Cannabis?
Eine Psychose in der eigenen oder familiären Vorgeschichte gehört zu den Punkten, die vor einer Verordnung besonders sorgfältig geprüft werden und eine Verordnung ausschließen können. Auch in der Fachinformation eines zugelassenen THC/CBD-Mundsprays sind vorübergehende psychotische Reaktionen als mögliche Nebenwirkung beschrieben.
Warnzeichen sind zum Beispiel Verfolgungsgefühle, Stimmenhören, rasende Gedanken oder Angst, die nach dem Konsum tagelang anhält. Dann gilt: kein Cannabis mehr, ärztliche Hilfe holen, bei akuter Gefahr Notruf 112. Mehr dazu in den Artikeln Cannabis und Psychosen und Cannabis und Psyche.
Häufige Fragen
Kann Cannabis eine Psychose auslösen?
Bei manchen Menschen ja, vor allem bei häufigem Konsum, hohem THC-Gehalt, frühem Beginn und familiärer Vorbelastung.
Wie lange dauert eine Cannabis-Psychose?
Das ist sehr unterschiedlich. Oft klingt sie mit Abstinenz und Behandlung ab, bei einem Teil der Betroffenen folgt aber eine dauerhafte Erkrankung.
Woran erkenne ich eine beginnende Psychose?
Etwa an Verfolgungsgedanken, Stimmenhören, starkem Misstrauen oder dem Gefühl, sich selbst nicht wiederzuerkennen. Dann sofort ärztliche Hilfe holen.
Bekomme ich mit einer Psychose in der Vorgeschichte medizinisches Cannabis?
In der Regel nicht. Eine eigene Psychose spricht meist gegen eine Verordnung und wird ärztlich besonders streng geprüft.
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Quellen
- Di Forti et al. (2019), Lancet Psychiatry: The contribution of cannabis use to variation in the incidence of psychotic disorder across Europe (EU-GEI)
- Marconi et al. (2016), Schizophr Bull: Meta-analysis of the Association Between the Level of Cannabis Use and Risk of Psychosis
- Starzer et al. (2018), Am J Psychiatry: Rates and Predictors of Conversion to Schizophrenia or Bipolar Disorder Following Substance-Induced Psychosis
- gesund.bund.de: ICD-10-Code F12, Psychische und Verhaltensstörungen durch Cannabinoide
- KV Berlin: Fachinformation eines THC/CBD-Mundsprays (Nabiximols)
420doc Redaktion · Aktualisiert am 26. Oktober 2026
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